Rio...

Gestern hat der 400m Hürden Wettkampf in Rio begonnen. Die Veranstaltung, auf die ich die letzten 2 Jahre hingearbeitet habe, für die ich vor 2 Jahren Wohnort, Trainer, Verein und das komplette Umfeld gewechselt habe. Das Event, für das ich mein Leben noch mehr auf den Sport ausgerichtet habe als zuvor.


Diese Gedanken schwangen natürlich stets mit, als ich diese Saison mit sehr durchwachsenen Leistungen begann. Und als es nicht besser wurde, kamen solche an gestrichene Förder...ung im Falle einer erfolglosen Saison und dementsprechende Konsequenzen für meine weitere leistungssportliche Karriere dazu.

Parallel merkte ich, dass irgendetwas komisch ist - dass ich gefühlt laufe wie immer, aber einfach 1,5-2sec langsamer bin und irgendwie nicht den Druck beim Laufen und die Power hatte wie sonst.
In der Folge fängt man unter dem Druck an zu zweifeln und Dinge anders zu machen, versucht sich mal auf dies und mal auf das zu konzentrieren. Ich wusste genau, nur ein Erfolgserlebnis kann mir da heraushelfen. Aber wenn das dann noch ein paar Mal auch nicht funktioniert, weiß man gar nicht mehr, was zu tun ist. Es ist, als hätte man eine Sache, die einem vorher so sicher vorkam wie das Fahrradfahren, verlernt. Genau das war dann der Fall in Kassel - dem Tiefpunkt dieser Saison.

 

Doch aufgeben wollte ich nicht, dafür war mir die ganze Arbeit der Vorbereitung zu schade. Außerdem konnte ich im Training durchaus zeigen, dass es ging, weswegen wir die Gründe in Richtung Psyche schoben.
Parallel wurden ein paar Untersuchungen angeschoben mit verschiedenen Blut- und Darmanalysen. Beim Blut war alles ok, wie auch verschiedene Proben während der Vorbereitung zeigten. Die Darmanalyse aber ergab 2 Wochen später, dass ich da ein ziemliches Ungleichgewicht habe (Floraindex 6), wahrscheinlich aufgrund einer Yersinien-Infektion im Laufe der Vorbereitung. Darauf jedenfalls können tatsächlich meine Probleme zurückgeführt werden - Trägheit, Kraftlosigkeit, häufiges allgemeines Unwohlsein und speziell im Bauch, fehlende Spannung wenn es drauf an kommt.


Ob nun die Gegenmaßnahmen langsam anschlugen oder ob es das Wissen um den wahren Grund war - jedenfalls konnte ich in Lausanne beim letzten Wettkampf der Saison endlich mal richtig laufen und mich ausbelasten, was für Platz 2 in der deutschen Bestenliste reichte.

Etwas schade ist, dass ich danach wieder richtig Lust auf den Wettkampf bekommen habe, jetzt aber wieder einige Monate Training vor mir habe, bevor es wieder losgeht. Aber immerhin konnte ich (mir selbst) zeigen, dass es doch geht. So geht es in die Vorbereitung und nächstes Jahr werde ich stärker zurückkommen als jemals zuvor!

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